⚡ Reflexe & Tempo

Reaktionszeit: Wie schnell reagiert ein Mensch wirklich?

Von der MyMindTests-Redaktion··3 Min. Lesezeit
⚡

Auf ein einfaches Signal reagiert ein Erwachsener in gut 200 Millisekunden – etwa einer Fünftelsekunde. In der Fahrschule rechnet man trotzdem mit einer ganzen Sekunde. Beide Zahlen stimmen. Hier steht, was sie jeweils messen, warum ein Test am Bildschirm immer etwas mehr anzeigt und was Ihre Reaktion beschleunigt oder bremst.

Die durchschnittliche Reaktionszeit: etwa eine Fünftelsekunde

Die einfache Reaktionszeit ist die Zeit zwischen einem erwarteten Signal (etwa einem Licht) und Ihrer Antwort (einem Tastendruck). Sie ist der „reinste“ Reflex, den man messen kann.

2015 hat ein Forschungsteam mehrere große britische Studien aus der Zeit von 1888 bis in die 2000er-Jahre neu ausgewertet. Rechnet man die Verzögerungen der Geräte heraus, liegen die Mittelwerte zwischen 208 und 238 Millisekunden. Für einen gesunden Erwachsenen gilt also: rund 0,2 Sekunden – mit großen Unterschieden zwischen Menschen und zwischen einzelnen Versuchen.

Warum ein Test am Bildschirm mehr anzeigt

Am Computer oder Handy enthält die gemessene Zeit auch die Verzögerung des Bildschirms, der Tastatur, Maus oder Touch-Oberfläche und des Browsers. In einer der ausgewerteten Studien mussten die Forscher 53 Millisekunden Bildschirmverzögerung und rund zehn weitere für den Tastendruck abziehen. 260 oder 280 ms in einem Online-Test sind also völlig normal – vergleichen Sie sich vor allem mit sich selbst, am selben Gerät.

Einfache Reaktion oder Wahlreaktion: zwei verschiedene Zeiten

Sobald man wählen muss (links drücken bei Rot, rechts bei Grün), dauert es länger: Das Gehirn muss das Signal erkennen und dann die richtige Antwort auswählen. Eine große britische Erhebung von Geoff Der und Ian Deary aus dem Jahr 2006 mit über 7.000 Erwachsenen zeigte: Die einfache Reaktionszeit verändert sich bis etwa 50 kaum, die Wahlreaktionszeit dagegen wird über das ganze Erwachsenenalter langsamer. Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es, sie sind aber gering und sagen über einen einzelnen Menschen fast nichts.

Im Straßenverkehr: Faustformel für den Reaktionsweg

Auf der Straße ist alles viel komplexer als ein Knopfdruck im Labor: Gefahr sehen, entscheiden, den Fuß vom Gas auf die Bremse bewegen. Der ADAC gibt dafür 0,8 bis 1,2 Sekunden an. Die Fahrschul-Faustformel rechnet deshalb mit einer Sekunde: Reaktionsweg in Metern = (Geschwindigkeit in km/h ÷ 10) × 3.

GeschwindigkeitReaktionsweg (Faustformel, 1 Sekunde)
50 km/h15 Meter
100 km/h30 Meter
130 km/h39 Meter

Während dieser Zeit bremst das Auto noch gar nicht; der Bremsweg kommt danach hinzu. Für ihn lernt man in der Fahrschule eine zweite Faustformel: Bremsweg in Metern = (Geschwindigkeit ÷ 10) × (Geschwindigkeit ÷ 10) bei einer normalen Bremsung. Reaktionsweg plus Bremsweg ergeben den Anhalteweg: Bei 50 km/h sind das 15 m + 25 m = 40 m, bei 100 km/h schon 30 m + 100 m = 130 m. Beide Formeln sind bewusst einfache Näherungen für die Prüfung; bei Nässe, Glätte oder abgefahrenen Reifen wird der Weg deutlich länger.

Müdigkeit, Handy oder Alkohol verlängern die Reaktionszeit – jede Zehntelsekunde zählt. Ein Blick aufs Handy von nur einer Sekunde bedeutet bei 50 km/h fast 14 Meter Blindflug.

Was Ihre Reaktion bremst (oder beschleunigt)

⚡Testen Sie sich · kostenlosReaktionstestIhre Reaktionszeit in ms · Test auf FranzösischStarten →

Reaktion und Aufmerksamkeit: Gleichmäßigkeit zählt so viel wie Tempo

Ihre beste Zeit sagt wenig, die Gleichmäßigkeit Ihrer Zeiten sagt mehr über die Aufmerksamkeit. Eine Metaanalyse von 319 Studien (Kofler und Kollegen, 2013) zeigte: Kinder und Erwachsene mit ADHS haben unregelmäßigere Reaktionszeiten, mit gelegentlichen „Aufmerksamkeitslücken“. Sie sind im Mittel aber nicht langsamer, wenn man diese Schwankung berücksichtigt.

Solche Schwankungen treten auch bei Müdigkeit und anderen Störungen auf. Allein sind sie also kein diagnostisches Zeichen. Wenn Vergesslichkeit und häufige Ablenkung Sie im Alltag stören, hilft ein strukturierter Fragebogen, eine Bestandsaufnahme zu machen, bevor Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen.

🧠Testen Sie sichADHS-TestAufmerksamkeit, Organisation, Impulsivität · 6 Min. · Test auf FranzösischStarten →

So machen Sie einen Reaktionstest richtig

Ein guter Reaktionstest wiederholt mehrere Durchgänge, wartet vor jedem Signal eine zufällige Zeit (damit man nicht vorwegnimmt) und gibt den Median statt des besten Versuchs an. Machen Sie ihn ausgeruht, in Ruhe und immer am selben Gerät, wenn Sie Ergebnisse vergleichen möchten.

Testen Sie sich

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Reaktionszeit des Menschen?

Rund 0,2 Sekunden (200 bis 240 Millisekunden) auf ein einfaches Signal im Labor. Am Bildschirm ist der Messwert wegen der Geräteverzögerungen etwas höher.

Wie lautet die Faustformel für den Reaktionsweg?

Geschwindigkeit in km/h geteilt durch 10, mal 3 – das ergibt den Reaktionsweg in Metern bei einer Sekunde Reaktionszeit, zum Beispiel 15 Meter bei 50 km/h.

Kann man seine Reaktionszeit verbessern?

Man wird bei einer geübten Aufgabe schneller, und guter Schlaf hilft deutlich. Schlafmangel dagegen verlangsamt die Reaktion stark.

Ist eine langsame Reaktionszeit bedenklich?

Eine einzelne Messung sagt kaum etwas: Müdigkeit, Gerät und Ablenkung verändern sie. Bemerken Sie im Alltag eine deutliche Veränderung, sprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Quellen

  1. Woodley of Menie M. A., te Nijenhuis J., Murphy R. (2015). The Victorians were still faster than us. Commentary: Factors influencing the latency of simple reaction time. Frontiers in Human Neuroscience, 9, 452. — doi.org/10.3389/fnhum.2015.00452
  2. Der G., Deary I. J. (2006). Age and sex differences in reaction time in adulthood: Results from the United Kingdom Health and Lifestyle Survey. Psychology and Aging, 21(1), 62–73. — doi.org/10.1037/0882-7974.21.1.62
  3. Lim J., Dinges D. F. (2010). A meta-analysis of the impact of short-term sleep deprivation on cognitive variables. Psychological Bulletin, 136(3), 375–389. — doi.org/10.1037/a0018883
  4. Kofler M. J. et al. (2013). Reaction time variability in ADHD: A meta-analytic review of 319 studies. Clinical Psychology Review, 33(6), 795–811. — doi.org/10.1016/j.cpr.2013.06.001
  5. ADAC — Reaktionsweg berechnen : la règle « vitesse ÷ 10 × 3 » et 0,8 à 1,2 seconde de réaction. — adac.de/verkehr/rund-um-den-fuehrerschein/erwerb/reaktionsweg-berechne
  6. ADAC — Bremsweg berechnen : la règle « (vitesse ÷ 10) × (vitesse ÷ 10) » pour un freinage normal. — adac.de/verkehr/rund-um-den-fuehrerschein/erwerb/bremsweg-berechnen/

Die MyMindTests-Redaktion schreibt über das Gehirn auf Grundlage veröffentlichter Studien. Jede Zahl ist belegt und vor der Veröffentlichung geprüft.

Teilen :WhatsAppFacebookX

Weiterlesen