🧩 IQ & Intelligenz

Durchschnittlicher IQ: Was 100, 115 oder 130 wirklich bedeuten

Von der MyMindTests-Redaktion··4 Min. Lesezeit
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Der durchschnittliche IQ liegt bei 100. Das ist keine Entdeckung, sondern eine Konstruktionsregel der Tests. Wer diese Regel versteht, kann jedes Ergebnis einordnen, weiß, was ein IQ von 115 oder 130 bedeutet – und sieht, warum die bekannten „IQ-Rankings nach Ländern“ viel wackliger sind, als sie aussehen.

Der IQ-Durchschnitt liegt bei 100 – per Definition

Ein IQ-Test misst keine absolute Größe, so wie eine Waage Kilogramm misst. Er vergleicht Ihre Antworten mit denen einer großen Stichprobe von Menschen Ihres Alters, der sogenannten Normierungsstichprobe. Anschließend wird die Skala so eingestellt, dass der Mittelwert dieser Stichprobe genau bei 100 liegt und die Standardabweichung, also die übliche Streuung um den Mittelwert, 15 Punkte beträgt.

Deshalb kann der IQ-Durchschnitt auf einem aktuellen Test weder „sinken“ noch „steigen“: Bei jeder Neunormierung wird er wieder auf 100 gesetzt. Was sich über die Jahrzehnte verändert, sind die Rohwerte der Bevölkerung, nicht der angezeigte Durchschnitt.

Was 85, 100, 115 oder 130 bedeuten

IQ-Werte folgen einer Glockenkurve. Bei einem Mittelwert von 100 und einer Standardabweichung von 15 sind die Anteile immer gleich:

IQAnteil der BevölkerungEinordnung
unter 70ca. 2,3 %weit unterdurchschnittlich
70 bis 85ca. 13,6 %unterdurchschnittlich
85 bis 115ca. 68 %durchschnittlich
115 bis 130ca. 13,6 %überdurchschnittlich
über 130ca. 2,3 %weit überdurchschnittlich

Mit anderen Worten: Zwei von drei Menschen haben einen IQ zwischen 85 und 115. Ein IQ von 115 liegt über etwa 84 % der Gleichaltrigen, 120 über etwa 91 %, 130 über etwa 98 %. Ab 130 spricht man im deutschsprachigen Raum meist von Hochbegabung; auch der Hochbegabtenverein Mensa nimmt Menschen auf, die in einem anerkannten Test zu den oberen 2 % gehören.

Ein Ergebnis ist nie ein exakter Punkt: Selbst ein Test beim Psychologen hat eine Fehlerspanne von einigen Punkten. 112 und 117 sagen fast dasselbe.

Der durchschnittliche IQ nach Alter

Weil jeder mit Menschen seines Alters verglichen wird, liegt der IQ-Durchschnitt mit 20 wie mit 70 Jahren bei 100. Eine Tabelle „normaler IQ nach Alter“, die mit den Jahren sinkt, gibt es bei seriösen Tests nicht.

Was sich verändert, sind die Fähigkeiten selbst. Langzeitstudien zeigen: Manche lassen schon ab dem frühen Erwachsenenalter nach, etwa die Verarbeitungsgeschwindigkeit oder das Lösen neuer Probleme. Andere, wie Wortschatz und Allgemeinwissen, wachsen oft bis ins hohe Alter. Der Psychologe Timothy Salthouse hat diese doppelte Bewegung 2009 zusammengefasst. Genau deshalb werden Tests nach Altersgruppen normiert.

Durchschnittlicher IQ von Frauen und Männern

Die Antwort der Forschung ist kurz: In einem vollständigen IQ-Test sind die Mittelwerte von Frauen und Männern praktisch gleich. Das stellte bereits 1996 der große Bericht der American Psychological Association unter Leitung von Ulric Neisser fest. Bei einzelnen Untertests gibt es Unterschiede in beide Richtungen – über die Intelligenz eines einzelnen Menschen sagen sie nichts.

IQ nach Ländern: Warum die Rankings täuschen

Die Weltkarten mit einem „Durchschnitts-IQ“ für jedes Land stammen überwiegend aus wenigen älteren Zusammenstellungen. Sie werfen sehr unterschiedliche Studien zusammen: kleine Stichproben, teils nur Schulkinder, verschiedene Tests und veraltete Normen. Eine systematische Übersichtsarbeit von Jelte Wicherts und Kollegen aus dem Jahr 2010 zeigte, dass diese Zusammenstellungen für Subsahara-Afrika deutlich niedrigere Werte verwendeten, als die solidesten Studien ergeben.

Zwei Tatsachen mahnen zur Vorsicht:

Wer Länder mit unterschiedlichen Tests und Lebensbedingungen vergleicht, vergleicht vor allem Schulen, Gesundheitssysteme und Epochen – keine Gehirne.

Wie Sie Ihren IQ erfahren

Nur eine Psychologin oder ein Psychologe kann mit einem normierten Test wie dem WAIS (Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene) einen IQ im klinischen Sinn feststellen – über mehrere Stunden und viele Aufgaben. Online-Tests liefern eine Schätzung: nützlich, um sich einzuordnen, zu üben oder zu entscheiden, ob man weitergehen möchte – solange man sie nicht für eine Diagnose hält.

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Unser IQ-Test beruht auf Logikrätseln (Zahlenreihen und Matrizen, keine Allgemeinwissensfragen) und gibt einen geschätzten Wert mit seiner Unsicherheitsspanne an. Zum Aufwärmen gibt es außerdem einen kostenlosen visuellen Logiktest.

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Der IQ ist nicht alles

Der IQ sagt Schulleistungen recht gut voraus – der Bericht von 1996 bezifferte die Korrelation mit Noten auf etwa 0,5: ein echter Zusammenhang, aber längst nicht alles. Motivation, Organisation, Neugier, Gesundheit und Umfeld zählen im Leben mindestens genauso viel. Ein IQ-Wert ist eine Momentaufnahme bestimmter Denkfähigkeiten an einem bestimmten Tag – kein Etikett und kein Schicksal.

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Häufige Fragen

Wie hoch ist der durchschnittliche IQ?

100. Jeder IQ-Test wird so normiert, dass der Mittelwert seiner Bezugsgruppe genau bei 100 liegt, mit einer Standardabweichung von 15.

Ist ein IQ von 120 gut?

Ja, er ist überdurchschnittlich: Ein IQ von 120 liegt über etwa 91 % der Gleichaltrigen.

Ab welchem IQ gilt man als hochbegabt?

Meist ab einem IQ von 130, gemessen von einer Fachperson – das entspricht etwa den oberen 2 % der Bevölkerung.

Kann sich der IQ im Laufe des Lebens ändern?

Er ist im Erwachsenenalter recht stabil, aber nicht festgelegt: Das Ergebnis schwankt um einige Punkte zwischen zwei Testungen, und Schule, Gesundheit oder Übung mit solchen Aufgaben können es verändern.

Quellen

  1. Neisser U. et al. (1996). Intelligence: Knowns and unknowns. American Psychologist, 51(2), 77–101. — doi.org/10.1037/0003-066X.51.2.77
  2. Flynn J. R. (1987). Massive IQ gains in 14 nations: What IQ tests really measure. Psychological Bulletin, 101(2), 171–191. — doi.org/10.1037/0033-2909.101.2.171
  3. Wicherts J. M., Dolan C. V., van der Maas H. L. J. (2010). A systematic literature review of the average IQ of sub-Saharan Africans. Intelligence, 38(1), 1–20. — doi.org/10.1016/j.intell.2009.05.002
  4. Salthouse T. A. (2009). When does age-related cognitive decline begin? Neurobiology of Aging, 30(4), 507–514. — doi.org/10.1016/j.neurobiolaging.2008.09.023

Die MyMindTests-Redaktion schreibt über das Gehirn auf Grundlage veröffentlichter Studien. Jede Zahl ist belegt und vor der Veröffentlichung geprüft.

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